credit by piep-vogel

Die Erleuchtung



Mal wieder stellt sich mir die Frage: Schicksal oder einfach nur ein heftiger Zufall?
Ich plädiere wie immer für Schicksal. Irgendeine höhere Macht wollte mir etwas sagen oder zeigen. Und ich wollte es nicht sehen.

Vergangene Nacht holte mich mein Cousin ab und wir fuhren zu meinem alten Haus. Immer wieder gehe ich während der Mittagspause dorthin, jedoch nur bis zu einem bestimmten Punkt, da ich bisher immer vermieden hab‘, dem Haus zu nahe zu kommen. Außerdem wäre es mir peinlich, wenn meine alten Nachbarn mich sehen würden. Sie würden denken, ich würde mich dafür interessieren, was aus meinem Zuhause geworden ist und wer dort nun wohnt und so. Und das will ich nicht. Im Dunkeln aber ist das alles irrelevant. Also näherten wir uns vergangene Nacht dem Haus so, wie ich es zuletzt vor mehr als 1 1/2 Jahren war.

Und dann geschah es.

Wir fuhren gerade auf den Parkplatz vor der Garage meiner ehemaligen Nachbarn um dort zu parken, als das Licht im Auto plötzlich einfach so anging. Laut meinem Cousin war das bisher erst einmal im Winter der Fall gewesen. Und wir konnten es auch nicht mehr ausmachen, da es dafür keinen Schalter gab. Wir wissen immer noch nicht woran es lag, dass das Licht die ganze Fahrt über aus war und genau beim Einparken vor der Nachbarsgarage anging.

Jedenfalls standen wir dann da. Rechts von uns befand die Garage der Neuen und gleich daneben mein Haus! Es war so ungewohnt direkt daneben zu stehen. Alles war ungewohnt. Das Haus sah bei Weitem nicht mehr so aus wie bei meinem Auszug. Aber ich konnte nicht wirklich sehr lange darüber nachdenken, denn als wir gerade mal vielleicht 10 Sekunden vor der Garage parkten, parkte einige Meter weiter an der Straße ein Auto. Ein dunkelhaariges, etwa 17-jähriges Mädchen stieg aus und rannte in unsere Richtung. Ich dachte erst es sei die Besitzerin des Parkplatzes, wo wir gerade standen und wollte uns bitten, wegzufahren. Doch sie rannte weiter. Genau auf mein Haus zu. Und dann öffnete sie die neue weiße, früher schwarze, Tür und schloss, die sich dahinter befindliche, neue weiße Haustüre auf. Kurz danach folgte ein etwa gleich alter Junge und verschwand ebenfalls hinter den Türen.

Oh Gott!!! Ich hatte gerade die "Neuen" gesehen! Ich wollte doch nur mein Haus nochmal richtig sehen und dann so was! Das Licht sollte wohl so etwas wie eine Erleuchtung darstellen. Und irgendwas wollte mir die Neuen zeigen. Aber ich wollte sie niemals sehen! Das ist zu heftig.
Es war so absurd das zu sehen. Wie meine Haustür aufgeschlossen wurde und mein Haus von anderen – als wäre es selbstverständlich – betreten wird. Noch immer habe ich das Gefühl, dass es mein Haus ist und so was zu sehen ist dann einfach nur krank und falsch. Ich habe dort die ersten 19 Jahre meines Lebens gewohnt und dann zum ersten Mal zu sehen wie Fremde mein Haus aufschließen ist einfach zu viel. Zumal ich mir die Neuen immer anders vorgestellt hatte. Mal wieder wurde eine Illusion zerstört.

Ich bin bisher davon ausgegangen, dass eine Familie mit kleinen Kindern, die höchstens 6 oder 7 sind, das Haus gekauft hat. Aber die Kinder sind schon fast erwachsen! Und wie die aussahen. Die passen nicht zu meinem Haus!

Nachdem ich das gesehen hatte, bat ich meinen Cousin wieder weiterzufahren. Gerade als wir rückwärts fuhren, kam noch ein dritter, etwas kräftigerer Junge aus dem Dunkeln und verschwand ebenfalls im Haus.

Wir fuhren einige Meter weiter und parkten dann an einer Bushaltestelle. Wir liefen zu einem Spielplatz, wo wir als Kinder oft waren und dann nochmals zum Haus. Als wir zurück am Auto waren, versuchten wir das Licht, das noch immer brannte, mit einem Flyer und Klebeband abzudecken. Währenddessen kam ein Auto aus der Richtung des Hauses langsam angefahren. Immer wieder blieb es kurz stehen und fuhr wieder weiter. Fast so als wüsste der Fahrer nicht, wohin er will. Das Auto fuhr irgendwann an uns vorbei und dann in eine Straße rein. Ganz langsam. Wenige Sekunden später, fuhr das Auto wieder langsam rückwärts zurück. Das war echt mal mega unheimlich. Mein Cousin fuhr deshalb wieder los und am Haus vorbei. Und das andere Auto kam uns zuerst tatsächlich hinterher! Schließlich haben wir es aber geschafft, es abzuhängen und konnten wieder zurück in die Nachbarstadt, wo ich wohne. Dort – einige Meter von meiner Wohnung entfernt – parkten wir an einer Gaststätte. Nur wenige Minuten später ging das Licht im Auto aus. Einfach so.

Heute Nacht träumte ich von dem etwas kräftigeren Jungen. Er hat mich gefragt, ob wir nicht Freunde sein sollen. Doch ich fand das so krank und einfach nur absurd mit diesem Jungen, der entweder in meinem alten Haus wohnt oder mit den Bewohnern befreundet ist, etwas zu tun zu haben. Aber er ließ nicht locker. Ich glaube am Ende waren tatsächlich in der Nähe vom Freundesein. Wie dumm der Traum doch war…


8.9.12 18:12


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