credit by piep-vogel

Ende



Es ist Schluss. Aus. Vorbei.

3 1/2 Jahre gehörten wir zusammen. Er war mein erster Freund. Er war 25 und ich 16. Ich dachte damals es würde für immer halten. In meiner Naivität konnte ich mir niemals vorstellen, dass man jemanden auf einmal nicht mehr liebt. Wenn man liebt dann für immer.

Und auf einmal ist es vorbei. Ich liebe ihn nicht mehr. Stattdessen liebe ich einen, der 600 km entfernt wohnt.

Es ist einfach passiert. Ich hätte niemals gedacht, als ich mich Anfang Januar dieses Jahres aus Langeweile in einem dieser oberflächlichen Chats registrierte, dass ich mich in jemanden von dort verlieben konnte. Oberflächliche Chats. Chats, in denen die Gespräche alle im Steckbriefformat stattfinden. Die nur aus Hi, wie geht’s, wie alt und woher bestehen. Doch ausgerechnet dort habe ich am 19. Januar jemanden kennengelernt, der mich seelisch mehr berührt als irgendwer anders. Der mein Herz zum Rasen und die Schmetterlinge in meinem Bauch zum Tanzen bringt. Der mit den Atem raubt. Noch nie hatte ich für jemanden solche intensiven Gefühle.

Erst wollte ich meine Gefühle ignorieren. Schon allein wegen ihm. Ich hatte soviel in die Beziehung investiert. Sollte es das gewesen sein? Es tritt jemand Neues in mein Leben, der alles aufregender erscheinen lässt. Alles ist neu und anders. Das Gefühl des Verliebtseins ist so schön. Aber deshalb eine langjährige Beziehung aufs Spiel setzen? Schon allein weil wir zusammenwohnen und wegen der Katzen wollte ich sie aufrechterhalten. Oder vielmehr mein Verstand wollte es. Ich habe ihn wirklich geliebt. Irgendwann mal. Und er war mir nach wie vor sehr wichtig. Aber mein Herz war diesmal stärker. Kämpfte gegen jegliche Vernunft. Und gewann haushoch. Endlich.

Ich wollte nicht mehr im Alltag gefangen sein. Ich wollte nicht immer vernünftig sein. Wollte mich nicht mit weniger zufrieden geben. Ich wollte nicht eine vernünftige Beziehung. Ich wollte eine Beziehung aus Liebe.

Und ich hasse mich. Schon kurz nach meinem 17. Geburtstag wusste ich, dass es nicht für immer sein würde. Er ist der verlogenste und hinterhältigste Mensch, der mir jemals begegnet ist. Schon von Anfang an hat er wegen allem gelogen. Und ich wusste ganz genau wie es enden würde. Ich wusste es 3 Jahre lang. Und ich hatte panische Angst vor dem Ende. Ich wusste es würde mich fertig machen. Ich würde es nicht verkraften. Und genau aus diesem Grund konnte ich nie Schluss machen. Es würde zu schmerzvoll werden.

Doch nun hab ich es getan. Vor 2 Monaten habe ich diesen Schwachsinn, den wir 3 1/2 Jahre als Beziehung bezeichnet haben, beendet. Und die jahrelangen Befürchtungen haben sich bewahrheitet.

Wir waren keine Woche getrennt, da waren bei ihm schon alle Gefühle für mich verschwunden und er hatte sich mit seiner Ex (deren komplette Familie, sie eingeschlossen, nicht ganz normal ist, wegen der er tausende Euro Schulden hatte und mit der er nie wieder etwas zu tun haben wollte) getroffen und pflegt bis heute intensiven Kontakt mit ihr; will wieder mit ihr zusammenkommen.

Er ist ständig weg, erzählt mir jedes kleinste Detail der uninteressanten Dinge und nur wenige Schnipsel der interessanten Sachen und wenn ich nachfrage, geht es mich nichts an, ist jedoch eingeschnappt wenn ich sage, dass ich gar nichts mehr von ihm wissen möchte. Schon allein deshalb, weil sowieso alles nur eine Lüge ist.

Ich liebe ihn nicht mehr. Doch macht es mich traurig, dass er mich bereits nach so kurzer Zeit ersetzt hatte, wo ich doch seine große Liebe war. Die, die er heiraten wollte. Ohne die er niemals leben konnte. Es war alles gelogen. Unsere Beziehung war auf einem Haufen von Lügen aufgebaut. Wer weiß was davon die Wahrheit war.

Ich hätte alles für ihn getan. Wäre für ihn gestorben. Selbst als ich bereits wusste, dass es nichts für immer ist. Habe ihm bei seinen Schulden und eigentlich bei allem geholfen. Und er hat mich von Anfang an mit Füßen getreten. Hat mich nicht unterstützt, wenn ich es gebraucht hätte. Hat immer wieder Schluss gemacht, weil er mit allem sofort überfordert war. Er konnte nicht über Gefühle reden. Statt mir Zeit zu schenken, bekam ich Handys, Parfum und Schmuck, womit ich nichts anfangen konnte. Ich wollte immer nur Zeit. Aber die war ihm zu kostbar.

Als ich ihm sagte, dass er mir mit seinem Verhalten wehtat, weil es den Eindruck erweckt, als hätte ich ihm nichts bedeutet, kam seine Standardantwort: „Das stimmt doch gar nicht!“ Er hat nicht einmal versucht mich zu verstehen. Empathie? Besitzt er nicht.

Aber mittlerweile tut er mir nur Leid. Addet eine nach dem anderen und fragt jede 2. Frau, ob sie sich mit ihm trifft. Er ist erbärmlich. Womöglich kann er einfach nicht alleine sein. Und ich bin mehr als froh, dass ich es nun endlich gewagt habe. Dass ich mich von ihm befreien konnte. Wer so jemanden als Freund hat, braucht keine Feinde mehr.

Ich lache über ihn. Er ist 29 und hat keine Ahnung, was er überhaupt will, geschweige denn wer er ist. Er ist unselbstständig und ein Heuchler. Jedoch tut es mir Leid, dass es so auseinanderging. Dass wir uns mittlerweile nichts mehr zu sagen haben und uns nur noch anschreien. Jedoch kann ich nicht so tun als sei alles in Ordnung wenn dem nicht so ist.

Ja, ich habe Schluss gemacht, aber das bedeutet doch noch lange nicht, dass mir dann egal ist, dass er sich sofort wieder mit seiner Ex trifft und was er sonst noch so macht. Er wusste selbst, dass es nicht mehr funktioniert, war aber zu bequem um die Sache zu beenden. 3 1/2 Jahre haben wir zusammengehört. Wie kann ich dann einfach so tun, als würde es mich nicht interessieren, was er mit anderen macht? Gibt es einen Schalter bei mir, den im umlegen kann, sodass ich alle Gefühle in mir abschalten kann? Leider nicht, aber ich wünschte es. Ich bin es leid. Ich bin ihn leid. Ich will ihn nicht mehr sehen und nicht mehr hören. Wer einem Menschen, den er angeblich geliebt hat, so wehtut, hat es nicht verdient, dass man weiter mit ihm umgeht, als sei alles in Ordnung. Ich ertrage ihn nicht mehr. Wann hört es endlich auf? Ich würde alles dafür tun, um diese Gefühle und Gedanken in mir abzustellen. Ich hasse mich dafür, dass es mich juckt, was er tut. Nur langsam komme ich davon weg. Viel zu langsam. Ich wünschte, es gibt eine Pille, durch die man all die schlechten Erinnerungen aus seinem Kopf verbannen kann. Leider gibt es sowas nicht. Und ich kann nur warten. Die Zeit heilt alle Wunden heißt es. Ich kann also nur hoffen, dass dem so ist.  


8.8.12 21:05
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen
Gratis bloggen bei
myblog.de